Christoph Pleininger

Wie die Geschichte das Ende der Demokratie bestimmt

Am 24. April 1932 wählte der Freistaat Anhalt einen neuen Landtag. Erstmals gewann die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) die Wahlen mit über 40 Prozent der Stimmen. Für großes Aufsehen sorgte der fulminante Sieg der Nationalsozialisten jedoch nicht: Am selben Tag fanden auch Wahlen in Preußen statt, immerhin der größte und wichtigste Freistaat der Republik. Er stahl Anhalt die Show.

Fast einhundert Jahre später steht am selben Ort die als rechtsextrem eingestufte Alternative für Deutschland (AfD) Umfragen zufolge vor einem ähnlichen Wahlergebnis wie damals die NSDAP. Laut INSA könnte die Partei 42 Prozent der Stimmen erhalten. Selbst eine absolute Mehrheit im Landtag Sachsen-Anhalts ist nicht mehr ausgeschlossen.1 Damit bahnt sich das Trauma der legalen Machtübernahme von Extremisten an, das man nach 1945 versuchte zu verhindern.

  1. Gereon Asmuth, «Der dicke braune Balken», taz, 19. Juni 2026